Elektromobilität

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DragonSlayer
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Elektromobilität

Beitrag von DragonSlayer » 02.06.2016, 08:15

Meine Frau und ich haben uns vor kurzem über das Thema "Auto" Gedanken gemacht. Aktuell haben wir nur eins: ihren Firmen 1er BMW.
Sie ist bei ihren Eltern angestellt und wir wohnen unmittelbar neben dem Geschäft. Sie braucht das Auto also sehr selten, weshalb wir meins damals verkauft haben. Früher oder später sollte dann aber doch wieder ein zweites Auto her. Wenn irgendwann mal der Nachwuchs kommt sollten wir beide unabhängig voneinander mobil sein.
Ich war schon seit einiger Zeit an Elektrofahrzeugen interessiert, da ich äußerst selten längere Strecken fahre und meine Arbeit lediglich 5 km von unserer Wohnung entfernt ist. Im Notfall hätte man für weitere Strecken ja weiterhin den Benziner.
In den letzten Jahren / Monaten hat man hier bei uns im Ort auch deutlich an der Infrastruktur gearbeitet. Allein im Umkreis von 2-3 km hat es bei uns mehr als fünf Ladesäulen die bis letzten August sogar noch kostenlos nutzbar waren.
Was mich bisher noch abgeschreckt hatte waren jedoch entweder die mangelnde Reichweite (ich benötige zwar nicht viel aber man sollte schon flexibel sein können), oder das gefühlt negative Preis-Leistungsniveau. Letzteres hat mich dann doch zu sehr vom BMW i3 abgeschreckt. Bei dem Preis sollten meiner Meinung nach einige der teuren Extras eigentlich schon im Preis enthalten sein. Das Design hat mich auch nicht ganz überzeugt. Ich wäre aber durchaus bereit gewesen darüber hinweg zu sehen, wenn alles andere passen würde.
Vor kurzem wurde dann das neue Tesla Model 3 vorgestellt, welches endlich eine bezahlbare Alternative zum bisherigen Model S darstellt.
Ich habe mir das dann einige Tage durch den Kopf gehen lassen und nach Rücksprache mit meiner Frau eine unverbindliche Reservierung in Höhe von 1000€ getätigt. Die Auslieferung soll Ende 2017 in den USA beginnen. In Europa kann dann vielleicht Ende 2018 damit gerechnet werden. Vorher würden wir das Auto jedoch sowieso nicht brauchen.
Der Grundpreis liegt aktuell (wenn man den Wechselkurs zwischen US Dollar und Euro ignoriert, was Tesla sicher auch machen wird) auf Höhe des i3s.
Wenn man bei dem Preis dann zunächst einfach mal die angegebenen Reichweiten vergleicht, hinkt der i3 mit 160-190 km gegenüber den 345 km des Model 3s stark hinterher.
Eine genaue Grundausstattung des Model 3s ist aktuell noch nicht bekannt, aber man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass beispielsweise die Navi Funktion standardmäßig integriert sein wird, was sich BMW bereits in der einfachsten Ausführung mit 990€ teuer bezahlen lässt.

Naja, unabhängig davon sehe ich allgemein in der Elektromobilität viel positives. Ich bin wirklich alles andere als "Öko" eingestellt, aber wenn ich die Option habe auf CO2 Ausstoß zu verzichten, dann greife ich gerne zur grüneren Alternative. Der Strom an der Ladesäule ist zwar sicherlich nicht komplett grün, aber die Tendenz geht sicherlich in die Richtung und die Energiebilanz ist trotzdem umweltfreundlicher als bei Kraftstofffahrzeugen.
In der Feinstaub Hauptstadt Stuttgart ist auch die geplante blaue Plakette immer wieder im Gespräch. Da wird ein Elektrofahrzeug sicherlich auch von Vorteil sein.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr euch dazu vielleicht schon mal Gedanken gemacht? Wie ist die Ladeinfrastruktur bei euch?
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Re: Elektromobilität

Beitrag von Elk_Elch » 02.06.2016, 18:04

Pinrizipiell halte ich unsere heutigen Vorstellungen von Individualmobilität für einen richtig, richtig großen Wahnsinn. Der Preis, den diese auf Automobile fixierte Gesellschaft schulterzuckend in Kauf nimmt (während die Leute vor Keimen, Strahlung, Flugzeugen, Islamisierung und was weiß ich nicht alles eine Riesenpanik schieben), ist immens; allein, wenn Du an die schiere Anzahl von Verkehrstoten in unserem Land denkst.
Ich nehme da eine recht extreme Position ein; das ist mir klar. Aber das nur vorneweg.


Zur Umwelt: Was die Umwelt angeht, finde ich, muss man sehr fein zwischen den beiden Aspekten unterscheiden, die Du schon angesprochen hast.

Das eine ist der Mist, den Verbrennungsmotoren herauspusten. Widerlich und gesundheitsschädlich. Das, was in unseren Ballungsräumen so alles schön sichtbar an grauen Hausfassaden klebt, klebt auch überall in unseren Lungen.
Was das angeht, sind Elektroautos im Prinzip eine begrüßenswerte Entwicklung.
Die Frage ist, ob der positive Einfluß wirklich allzu groß ist, wenn man von einem modernen Benziner auf ein Elektrofahrzeug umsteigt. Ich meine, ein Mofa oder ein VW-Diesel bläst ein Vielfaches an Dreck in die Landschaft. Da müsste man eher anfangen Mofafahrer umzufahren.
Was ich nicht weiß: Beim Schmutz und beim Feinstaub - Wie sieht es da mit Dingen aus, die gar nicht aus dem Auspuff kommen? Also vor allem Reifenabrieb?

Das andere ist das Klima. CO2-Ausstoß bei Autos halte ich nicht unbedingt für das brisanteste Thema. Der Löwenanteil liegt hier anderswo und es ist auch nicht das einzige Klimagas. Man darf nicht vergessen, was die Fertigung von Fahrzeugen an Energie verschlingt; zumal bei der Frequenz mit der die Kisten heutzutage durch Neue ersetzt werden.
Aus meiner Sicht finde ich es arg fraglich, ob es wirklich notwendig ist, dass jeder Hanswurscht (und häufig noch als Einzelperson ohne Passagiere) in einem Blech-/Plastikpanzer durch die Gegend rollt, der vollgestopft ist mit Rohstoffen und Technik. Ich vermute, das ist mit den Akkus in Elektroautos eher noch ein größeres Problem.

So langsam fängt unsere Industrie an, sich beim Gedanken an Elektromobilität die Hände zu reiben und einen Hype vorzubereiten. Aber sicherlich nicht aus Umweltbewusstsein. Die machen doch aus der Sache eher noch eine Klimakatastrophe.


Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie man so eine Klimabilanz aufstellt, und eigentlich habe ich von Autos auch sehr wenig Peil. Aber, wenn ich nach meiner Intuition gehe, würde ich Dir viel eher dazu raten, einen Benziner mit vernünftigem Katalysator gebraucht zu kaufen und bis zum bitteren Ende kaputtzufahren. Aus Sicht eines Ökos.

Aus Ökosicht muss ich aber auch nochmal nachhaken, wozu konkret Ihr glaubt, das zweite Fahrzeug zu brauchen. Die Nähe zu Eurem Arbeitsplätzen ist ein Traum. Wieviele Kinder wünscht Ihr Euch denn? Acht?

Nichts für ungut...! :wink:
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Re: Elektromobilität

Beitrag von DragonSlayer » 02.06.2016, 18:43

Hey Elk! Danke für den Beitrag. Der Thread ist genau dafür da: Eine Diskussion anzustoßen.

Ich bin mir meiner Heuchlerei durchaus bewusst.
Es spricht kaum etwas dagegen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Einkaufen kann ich um die Ecke, anstatt im Edeka den ich lediglich frequentiere da ich das Layout auswendig kenne. Reine Gewohnheit. Es sind eher die Ausnahmen gekoppelt mit einem Hauch von Bequemlichkeit, die uns dazu bewegen überhaupt ein Auto bzw. zwei zu halten. Meine Frau muss einkaufen, hat aber das Kind (oder zwei?) dabei und kann nicht alles alleine tragen? Ich habe ein Tennis Turnier außerhalb und keine Mitfahrgelegenheit?
Ein noch viel wichtigerer Faktor ist für mich persönlich die Freizeit. In den meisten Fällen kostet es uns mehr Zeit, wenn wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Diese Zeit investiere ich lieber in meine Hobbies oder um Zeit mit meiner Frau zu verbringen.
Wie gesagt, der Öko Faktor ist in meinem Fall absolute Heuchlerei, aber hey! Irgendwo muss man ja anfangen, oder? :P

Zum Thema CO2 Emissionen verweist der Bund auf folgende Zahlen aus 2010:

Bild

Selbst mit Energie aus gemischten Quellen steht ein EV besser da als ein sparsamer Diesel. Ich meine gelesen zu haben, dass sich bis 2024 die Anzahl der Autos auf der Straße im Vergleich zu Heute verdoppeln soll. In Summe wäre es doch erstrebenswert den Ausstoß so gut es geht zu verringern. Frei nach dem Motto der Anti-Vegetarier: Die Autos werden doch sowieso gebaut. Wieso dann nicht gleich umweltfreundlichere.

Die sache mit den Akkus dagegen ist relativ simpel. Zumindest was Tesla betrifft. Die bereits teilweise produktive Gigafactory, in der Tesla ihre Akkus herstellen wird, soll letztendlich komplett durch erneuerbare Energien betrieben werden. Die Akkus selbst können fast komplett recycled werden. Das verbessert die Energiebilanz und den Öko Faktor sicher auch nochmal um ein ganzes Stück.
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Re: Elektromobilität

Beitrag von Elk_Elch » 02.06.2016, 19:39

Wie gesagt sehe ich den CO2-Ausstoß im Fahrbetrieb nicht als die Messlatte. Mit solchen Daten wird vor allem Augenwischerei betrieben.
Der Diesel ist dafür das allerbeste Beispiel. Er stößt in der Regel weniger CO2 aus als ein Benziner. Aber wiegt das den ganzen Ruß auf? Wenn man anfängt, sich über die Umwelt Gedanken zu machen, kollidieren ziemlich schnell unterschiedliche Zielvorstellungen.
Man kann über Umweltschutz, Klimaschutz oder Naturschutz sprechen. Je nachdem, worauf man sein Augenmerk richtet, kann man zu grundverschiedenen Konsequenzen kommen.

Aber... die Autos werden eben nicht "sowieso gebaut"! So entfesselt der Markt auch hin und wieder anmuten mag; und so sehr die Wirtschaft eine Nachfrage auch künstlich zu generieren weiß (*)... irgendwer muss die Teile am Ende auch kaufen. Sonst wird nämlich gar nichts gebaut.
Auch der Bauer stellt sich die Kuh nicht zum Spaß auf die Weide.

(*) Unsere Politik kann das freilich auch: Wie damals mit der Abwrackprämie. Das war doch wohl keine Wohltat an die Umwelt, sondern ein Subventionspaket an die Automobilwirtschaft. Möglicherweise hat die sich die Nummer ja auch selbst ausgedacht.


Ich fände es total super, wenn sich die Verbraucher darüber bewusst würden, dass sie eine Marktmacht haben. Mit jeder Ausgabe, die ich tätige, investiere ich Geld in einen Wirtschaftstreibenden, dessen Produkt und Geschäftsmodell ich damit ganz konkret fördere. Dem Diktat der Kartelle und Monopole hinterherzukonsumieren ist natürlich oft das Bequemste. Aber wenn man sich auf diese Art und Weise vor der Verantworung drückt, verwirkt man auch seinen Einfluss auf das ökonomische Geschehen; und steht eines fernen Tages nicht viel besser da als das Schlachtvieh selbst!


Jetzt bin ich schon recht weit abgeschweift. Da kann ich gleich weiter machen:
Vegetarismus ist auch ein tolles Beispiel, wie scheiße kompliziert bewusster Konsum sein kann.
Ich lebe selbst relativ (denn es ist für mich eine Frage der Menge, nicht des Prinzips) vegetarisch. Seit einiger Zeit versuche ich jedoch meine Ernährung eher auf "vegan mit fleischigen Ausnahmen" umzustellen.
Denn: Mit Blick auf den Futtermittelverbrauch hat eine bessere Energiebilanz, wer auf das Ei verzichtet und stattdessen das Huhn selbst isst, oder wer die Kuh frisst anstatt die Milch zu trinken.

Im Supermarkt muss man erstmal wissen, dass Bananen mit dem Schiff, aber Minibananen mit dem Flugzeug kommen. Teures Fleisch ist in vielen Fällen besser für's Tier; beim Fisch sollte man im Sinne des Artenschutzes lieber günstig einkaufen. Und wer hätte gedacht, dass Rindlfleisch aus Argentinien inklusive Transport eine bessere Klimabilanz aufweist als solches aus heimischer Landwirtschaft (bio ist hier schlimmer als konventionell)?

Und beim Transport kommen wir auch wieder zu den Akkus. Erneuerbare Energien und Recycling klingen natürlich erstmal wunderbar. Aber wenn die Sachen dann alle aus der Gigafactory in Amerika kommen, muss die auch wieder jemand nach Europa verschiffen. Wie schwer wiegt das? Weiß ich nicht. Einfache Antworten gibt es da nicht.

Man sollte nur eines tunlichst vermeiden: Ohne Nachzufragen denen zu glauben, die von Umweltschutz schwadronieren und sich lustige grüne oder blaue Sticker ausdenken, und einem am Ende auf die Art nur wieder ihre Waren verticken wollen. Öko ist in vielen Fällen auch nur noch eine Industrie.
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Re: Elektromobilität

Beitrag von Cali » 02.06.2016, 20:53

Endlich mal wieder eine Diskussion, da will ich mich gleich einklinken.
Zuerst mal: Hammermäßiges Avatar Al! Das würde ich mir in groß gerahmt tatsächlich in die Wohnung hängen biggrin

Mein Senf zum Thema:

Ich habe es nicht besonders weit zur Arbeit (ca. 12km per Auto oder Rad), aber im Vergleich zu früher haben die Staus so zugenommen, dass ich für die ehemals 15 Minuten Strecke oft bis zu einer Stunde verbraucht habe (eine Richtung). Da ich nicht besonders weit von der S-Bahn entfernt wohne (ca. 13 Min. zu Fuß) und zudem eine Bushaltestelle vor dem Haus habe, wenn mir nicht nach Laufen zumute ist und mein Arbeitgeber direkt an einer U-Bahn Haltestelle in Stuttgart ist und zudem 75% der Ticketkosten übernimmt, habe ich 2012 im Januar angefangen, mit dem Öffentlichen Nahverkehr zu fahren und bin bis auf wenige Ausnahmen sehr zufrieden.

Im Laufe der Zeit habe ich dann auch wieder angefangen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren (ca. 35 Minuten) und mittlerweile fahre ich durchschnittl. zweimal die Woche mit dem Rad und ansonsten mit der Bahn.
Das Radfahren zur oder weg von der Arbeit ist bei einer schönen Waldstrecke, wie ich sie habe, eine echte Lebensqualitätssteigerung.
Ich bin fitter, muss nicht mehr extra joggen gehen und vor allem kann ich an stressigen Tagen alles Negative auf der Heimstrecke abbauen bzw. bin ich morgens bei der Ankunft im Büro schon so entspannt, dass mich die Arbeitshektik gar nicht mehr berührt.

Mein Auto stand daher seit 2012 fast ausschliesslich in der Garage und wurde nur selten genutzt. Das wiederum hatte den Effekt, dass immer wieder die Bremsscheiben rostig geworden sind und auch sonst das Auto langsam zerfallen ist, daher habe ich es letztes Jahr rausgeschmissen und meine Garage untervermietet.
Gleichzeitig habe ich mich beim örtlichen Stadtmobil Carsharing angemeldet und nutze ab und an für komplizierte Strecken ein Auto aus deren Flotte (was bei einer Fahrleistung <15.000km im Jahr deutlich günstiger als ein eigener PKW kommt.

Seit April 2015 sind wir also Autofrei und seit Mai Eltern und es klappt sehr gut. Für meinen Sohn sind die seltenen Autofahrten meistens unangenehm, da er so fies festgeschnallt wird und sich lange nicht frei bewegen kann. In Bus und Bahn fühlt er sich deutlich wohler und wir können uns mit ihm beschäftigen anstatts ein Auto zu lenken. Wir haben einen Fahrradanhänger für ihn, mit dem ich auch größere Einkäufe erledige.
Ein weiterer Punkt mit Kind ist das Unfallrisiko. Auf der Autobahn rund um Stuttgart sterben praktisch täglich Menschen, oft auch die, die ordentlich gefahren sind und keine Schuld an der Kollision hatten. Babys und Kleinkinder haben ein anderes Kopf-Körper Größenverhältnis und tragen daher auch schon bei städtischen Unfällen in der 30er Zone oft tödliche oder schwere Verletzungen davon. Dass ist daher auch ein weiterer Grund, wieso ich das Autofahren als Vater so gut es geht vermeide.

Meine einjährige Elternzeit ist um und im Moment spiele ich mit dem Gedanken, mir ein Pedelec zu kaufen und dann das ganze Jahr bei jedem Wetter nur noch mit dem Rad zur Arbeit zu fahren (wir haben keine Duschen und die Strecke hat einen ziemlichen Höhenunterschied, wenn ich täglich fahre, bin ich am dritten Tag wirklich "gerädert").

Im Moment zögere ich noch, weil ich an die 600km im Monat mache und ein wartungs- und verschleißarmes Fahrrad habe, das ich auch noch komplett selbst warten kann, während ich mit dem Pedelec sicher alle paar Monate in die Werkstatt muß... ich werde mir nächste Woche mal eins leihen und testen (eine andere Option wäre add-e aus Österreich).

Zur Elektromobilität: Ein Elektrozweirad erscheint mir derzeit ausgereifter als die Autos, aber wenn niemand als Early Adopter mal mit den Autos anfängt, wird nie die kritische Masse erreicht. Ich teile zwar Al's Ansicht zur generellen Fragwürdigkeit von Autos, weiß aber, dass viele aus Gewohnheit nicht freiwillig darauf verzichten werden und dann sind mir Elektroautos doch deutlich lieber (Lärm, Abgase, kein Erdöl mehr importieren, simplere Autotechnik ohne Getriebe, verschleißfreier Motor etc.).
Natürlich hat auch ein E-Auto einen ordentlichen Ressourcenverbrauch und generell die Problematik der Batterien, deren wichtigste Rohstoffe größtenteils unter menschenverachtenden Umständen gewonnen (oder geraubt) werden, aber das trifft auch auf unsere anderen Mobilgeräte zu.
Wenn jeder seine Dinge bis zur Schrottreife nutzen würde, wäre für unsere Umwelt schon viel gewonnen.

Ich glaube aber fest an regenerative Energiequellen und dass langfristig alle E-Fahrzeuge daraus gespeist werden können und vielleicht auch wieder ein Isetta Format annehmen anstatts in Richtung SUV weiter zu wachsen.

Für mich wäre ein E-Auto ein Thema, wenn ich irgendwo abgeschottet auf dem Land ohne ÖPNV Anbindung leben würde und der Zeitverlust bei der Fortbewegung mit Rad oder zu Fuß nicht mehr im Verhältnis zu meiner Freizeit steht, aber solange ich in der Stadt wohne, werde ich so lange ich kann, auf ein eigenes Auto verzichten. Achja und ich bräuchte erstmal eine Steckdose in der Garage :)


Zum Schluß noch eine generelle Beobachtung: Viele machen sich über jeden vermeintlichen Schadstoff im Essen und im Wasser große Sorgen und ernähren sich gemäß dem aktuellen Trend vegan / paleo oder gluten- /lactosefrei und kaufen nur BIO Ware..... und setzen sich dann alleine in ihr überdimensionierten PKW und hauen deutlich giftigere Stoffe in ihren direkten Lebensraum (und oft den ihrer kleinen Kinder) raus ohne auch nur eine Sekunde an diese Schadstoffe oder die Schädigung/Verkümmerung ihres Bewegungsapparat zu denken.
So wie wir an die schrecklichen Zustände der frühen Industrialisierung (oder der aktuellen in China, Indien usw) denken, so werden sich auch in 50 Jahren die Menschen an unsere Epoche denken und sich fragen, ob wir wirklich so dumm waren, es nicht zu bemerken.
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Re: Elektromobilität

Beitrag von DragonSlayer » 03.06.2016, 07:50

Wir hatten vor unserem Umzug in ein neues Gebäude noch eine Dusche im Büro. Hätten wir diese hier auch noch würde ich wahrscheinlich jeden Tag zur Arbeit joggen. :D

Interessanterweise habe ich gerade eben gelesen, dass BMW die i-Serie komplett umstrukturiert hat und bis auf weiteres keine Elektrofahrzeuge mehr entwickelt. Die i-Abteilung konzentriert sich nun wohl auf die Entwicklung von selbstfahrenden Autos. Grund hierfür sind wohl zum einen die schlechten Verkaufszahlen des i3 und die Tatsache, dass ein nennenswerter Teil der Abteilung (u.A. Dr. Carsten Breitfeld, der Chef der i8 Entwicklung) durch ein chinesisches EV Startup Unternehmen abgeworben wurden.
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Re: Elektromobilität

Beitrag von Cali » 05.06.2016, 09:41

ich habe bei mir in den letzten 10 Jahren immer wieder Duschen angefordert und auch Mitarbeiterprojekte angeboten, bei denen wir einen der vielen Toilettenräume zu Duschen selbst umgebaut hätten, aber leider wurde kein Vorschlag angenommen.

Unser ehemaliger Lauftreff ist verebbt, weil er um 15 Uhr statt fand und viele (wie ich) meistens anschließend noch von 16 Uhr an weiter arbeiten mußten und wer macht das schon gerne total verschwitzt. Es gab auch mal einen Yoga Kurs am Morgen, aber auch da schwitzt man teilweise sehr stark...

Wir sind halt ein reiner Dienstleister ohne Produktion am Ort und dadurch sind Duschen rechtlich nicht vorgeschrieben :(

Ich war gestern beim Fahrradhändler meines Vertrauens und habe einiges erfahren:

1. Die Mittelmotoren von Bosch sind von den Fahreigenschaften am Besten, aber sie zerren so stark an der Kette, dass die höchstens 1000km hält. D.h. wenn ich fleißig bin, brauche ich monatlich einen Kettenwechsel.

2. Am längsten hält die Kette mit einer Nabenschaltung, die aber schaltet nicht gut unter Last, was beim E-Bike nicht optimal ist.

3. Das Modell, welches mir gefallen würde, wäre daher ein wartungsarmes Rad mit einer stufenlosen Nabenschaltung (ohne Schaltwiederstände) und einem Antriebsriehmen wie bei einem Motorrad anstelle einer Kette (soll 12-15.000km) durchhalten. Es kostet dafür aber ca 3000€ (Vorjahresmodell von http://store.bergamont.de/hamburg/bikes ... -500-gent/).

Jetzt ist also bei mir die Frage: Standard Pedelec für 2200-2500€ oder wartungsarmes Pedelec für 3000€ oder ich bleib bei meinem Bahn und Muskelkraftrad-Mix und spar mir das Geld.... :?:
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Re: Elektromobilität

Beitrag von DragonSlayer » 05.06.2016, 09:48

Wir sind ein recht sportliches IT Systemhaus und haben fast jede Woche ein wechselndes Sportevent. Von Klettern bis Fußball ist da einiges dabei. Jetzt im September haben sich insgesamt 15 Kollegen zum Tough Mudder Lauf angemeldet, wovon aber einige sicher keine 5k am Stück laufen können. Ich bin gespannt, aber es wird sicher ein cooles Teamevent.
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Re: Elektromobilität

Beitrag von DragonSlayer » 07.06.2016, 08:10

Habe am Wochenende eine interessante Doku gesehen in der GM, Nissan und Tesla bei der Entwicklung (eher im organisatorischen Sinn) ihrer Elektrofahrzeuge begleitet wurden. Die Doku heißt "Revenge of the electric car".
Leider ging es hier weniger um den Einfluss auf die Umwelt, aber es war trotzdem sehr aufschlussreich zu sehen wie unterschiedlich die großen amerikanischen Konzerne wie GM und die großen japanischen Konzerne wie Nissan mit dem Wandel umgehen.
Ein Zitat aus der Doku hat mir am Ende dann noch etwas zu Denken gegeben:
"Electric cars are the only cars that get greener the longer you drive them."
Aktuell fahren EVs ja hauptsächlich mit Mischstrom, aber die Tendenz zu erneuerbaren Energien bestätigt dieses Zitat.
Das ist durchaus eine interessante Weise das Thema zu betrachten.
Natürlich können wir unsere Benziner und Diesel so lange fahren bis sie auseinander fallen, aber früher oder später werden sie das dann tatsächlich und spätestens dann muss ein Ersatz her.
Ein guter Start wäre es natürlich die öffentlichen Verkehrsmittel umzustellen. Gerade Busse im Nahverkehr würden sich hier super anbieten.
Nach jeder Runde parkt der Bus sowieso wieder 10-15 Minuten am Busbahnhof. Während dieser Pause könnte der Bus dann ausreichend für die nächste Runde aufgeladen werden. Die Bauform sollte ja nahezu perfekt sein um ausreichend große Akkus zu verbauen.

Auch interessant zu dem Thema: Norwegen möchte wohl bis 2015 den Verkauf von Neuwagen mit Benzin und Dieselmotor komplett verbieten. Quelle
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Re: Elektromobilität

Beitrag von Elk_Elch » 07.06.2016, 21:26

Electric cars are the only cars that get greener the longer you drive them.
Von meinem Standpunkt aus macht das keinen Sinn.
Autos sind nicht grün. Was nicht grün ist, kann nicht grüner werden, sondern allerhöchstens weniger umweltschädlich als es schon ist.
Das ist doch so ähnlich wie in den Kaufrausch zu verfallen, wenn der Discounter oder der Saturniamarkt mit Rabatten um sich schmeißt. Je mehr man einkauft, desto mehr spart man dabei. Ist klar...

Um meine Meinung ein bisschen zu unterfüttern, habe ich mir drei Diagramme aus der 2015er Ausgabe des Atlas der Globalisierung ("Weniger wird mehr") herausgesucht.


Wie gesagt geht es nicht einfach um den Sprit. Autos verschlingen vor allem in der Konstruktion Energie und Rohstoffe, und zwar Massen davon.
Einer davon ist Plastik:
plastik2.PNG
plastik2.PNG (187.85 KiB) 5861 mal betrachtet
Gut; mit dem enormen Materialverbrauch von Verpackungen können die Fahrzeuge hier nicht mithalten. Dennoch sind die Verhältnisse bemerkenswert: Kraftfahrzeuge allein verschlingen mehr Kunststoff als alle elektrischen Geräte zusammen und mehr als ein Drittel des Anteils der gesamten Bauwirtschaft. Bauwirtschaft! Das muss man sich mal vorstellen: Häuser, Büros und unvollendete Flughäfen. Und dann die fetten Anteile bei Polypropylen, Polyamid und Polyurethan...
Dabei bezieht sich die Grafik auf die gesamte EU. Bei der Motorisierungsquote in Deutschland wird das nicht besser aussehen.


Aus meiner Sicht blieben Autos also auch eine Umweltsünde, wenn sie ganz von selbst fahren würden.

Und das werden sie nie. Das Zitat geht von der falschen Annahme aus, dass regenerative Energien völlig umweltfreundlich sind. Aber Strom aus Wind, Wasser oder Sonne fällt nicht vom Himmel, auch wenn's erstmal blöd klingt.
Zur Nutzbarmachung dieser Energieformen werden ebenso Energie und in Hochtechnologie verbaute wertvolle Rohstoffe benötigt. Siehe hier:
erneuerbar.PNG
erneuerbar.PNG (152.11 KiB) 5861 mal betrachtet
Ich habe leider keine Quelle zur Hand, worin das sogenannte "Erneuerbare-Energien-Szenario" besteht. Klar ist jedoch, dass Windräder nicht gerade aus Pappe sind, gewartet und erneuert werden müssen. Dazu kommen Flächenverbrauch und etwaige Naturschäden, weswegen insbesondere Naturschützer gegen die Dinger Sturm laufen. Wenn ich dann an die Wasserkraft denke, fallen mir auch gleich gruselige Geschichten aus China oder Afrika ein.


Es bringt nichts die Probleme der Energieerzeugung einfach nur in andere Bereiche als bisher zu verlagern. Wirklich ökologisch wäre nur den Verbrauch von Ressourcen zu reduzieren.
Technik und Wirtschaft allein können dieses Problem offenbar nicht lösen. Gerne werden hier bei technischen Geräten oder Fahrzeugen Effizienzsteigerungen ins Feld geführt.

Diese bergen aber eine weitere Gefahr an sich: Den berüchtigten "Reboundeffekt". Demnach führen Steigerungen der Effizienz aufgrund der Verbilligung des Ressourcenverbrauches nicht zu einer Reduktion dessebligen, sondern sogar zu dessen Steigerung.
rebound.PNG
rebound.PNG (159.87 KiB) 5861 mal betrachtet
In dem gezeigten Fall geht es um Kraftstoff. Der Zusammenhang lässt sich jedoch beliebig ummünzen auf Energie oder Rohstoffe.
Oder auf die Naturschäden und Flächenversiegelung durch weiteren Straßenbau bei gesteigertem Verkehrsaufkommen.


Das Ziel der Wirtschaft ist und bleibt die Anzahl produzierter Fahrzeuge immer weiter zu steigern und hier liegt der Fehler. Mit Technologien wie Hybrid- und Elektroantrieben, oder noch schlimmer sowas wie BlueMotion soll in vielen Fällen lediglich ein "Greenwashing" des Konzeptes Automobil betrieben werden.

Der Reboundeffekt hat auch eine psychologische Komponente. Der Verbraucher kauft sich durch vermeintlich (!) grüne Technologien ein gutes Gewissen und lässt dann erst richtig die Sau raus. "Umweltfreundlich mehr verbrauchen" lautet eine der Artikelüberschriften des Heftes, aus dem ich die Bilder genommen habe.


Unter'm Strich möchte ich nicht behaupten, dass die Anschaffung eine Elektrofahrzeugs grundverkehrt ist. Aber es ist nicht die Lösung. Höchstens ein ganz winziger Teil davon. Dabei ist die Geisteshaltung aus der heraus sie vermarktet werden ein viel größerer Teil des Problems.


Um es nochmals deutlich zu wiederholen: Die Diskussionen um CO2 und Öl sind häufig nur Nebelkerzen. Wenn man Ökologie nur darauf einengt, versperrt man den Blick auf das große Ganze. Vielen Akteuren ist aber genau das gerade recht.
Ich mache sicher noch lange nicht alles richtig aus ökologischer Sicht (sonst würde ich am Fahrrad gleich auf den Elektroantrieb verzichten; Thema Heuchelei). Es ist auch ein scheißkomplexes Thema. Aber ich denke, ein ganz wichtiger Schritt ist, dass man irgendwie erstmal versucht, sich nicht mehr an allen Ecken und Enden als Verbraucher für blöd verkaufen zu lassen und viele Fragen zu stellen, in der Hoffnung, dass die richtigen dabei sind.





Und noch @Cali:

Du hast schon auch Deine Trademarks. Letztens wieder auf der Startseite:
Bild

Und zur Kette: Was heißt denn "höchstens" 1000km? Ich bin jetzt boschgetrieben bei 8000km und der dritten Kette, wobei ich die erste davon wirklich schlecht behandelt habe. Meinen Zahnrädern tut das zugegebenermaßen nicht sehr gut. Aber wie der Händler auf die Zahl kommt, würde mich schon interessieren.
Wichtig ist natürlich, dass man mit Motorunterstützung nicht zu schaltfaul wird.
Mein derzeitiges Rad (http://www.r-m.de/bike/delite-touring/ , damals noch in gelb erhältlich) habe ich damals in der Version mit Nabenschaltung von NuVinci probegefahren, aber letztlich mit Kettenschaltung gekauft. Das stufenlose Schalten kam mir mehr wie ein Gimmick vor. Einen wirklichen Vorteil habe ich nicht bemerkt. Eher noch hatte ich den Eindruck, dass der Übersetzungsbereich nicht besonders groß ist.
Darüber hinaus sehe ich mich mit der Kettenschaltung auf der sicheren Seite, wenn ich mal umgehend schnelle Hilfe in einer beliebigen vorsteinzeitlichen Werkstatt suchen oder selbst Hand anlegen muss.
Die Meinungen von Händlern, die ich bisher gehört habe, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Mir scheint, das ist ein ziemlicher Glaubenskrieg.
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